Mittwoch, 8. März 2017

Der Grimme-Preis und die Aussage dahinter

Vorweg möchte ich gleich was festhalten: Auch mein Tatort "Totenstille" war für den diesjährigen Grimme-Preis nominiert in der Kategorie "Spezial" für das Konzept und Einbindung der Gebärdensprache. Diese Nominierung hat bei uns im Team einen Freudenschrei hervorgerufen, denn bei dem Thema "Menschen mit Behinderung" heißt es seitens des Fernsehen ja allzu oft: "Das interessiert doch niemanden." Wir sind da wirklich sehr auf dem Tisch herumgehüpft - das ganze Team, denn jeder hat an die Geschichte und somit an das Thema geglaubt.

Die Einschaltquote des Tatort "Totenstille" hat eine andere Sprache gesprochen: 9,69 Millionen Menschen sahen zu - abgeschaltet hat auch keiner während der Sendung laut den Zahlen. In der gewichteten Quote sahen sogar 9,75 Millionen zu. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ein "solches" Thema kann sogar eine mörderisch gute Quote erreichen für einen Tatort im Jahr 2016 - er findet sich jedenfalls unter den Top Ten der meistgesehenen Tatorte dort.

Die Nominierung für den Grimme-Preis war also auch ein ermutigendes Zeichen zu verstehen, dass man es für vorbildlich und fortschrittlich hält, dass im Tatort "Totenstille" einige Szenen in Gebärdensprache gar nicht gevoict oder untertitelt wurden für die hörenden Zuschauer und zudem alle gehörlosen Rollen von gehörlosen Schauspielern gespielt wurden.

Das war ein wichtiges Zeichen, da ja auch das ZDF alleine im JANUAR 2017 zwei Filme zeigte, wo Gehörlose und Gebärdensprache eine Rolle spielten, aber die gehörlosen Rollen bekamen die hörenden Schauspieler. Und bei beiden Filmen (Mörderische Stille und "Frühling- Schritt ins Licht"  konnte ich kaum hinsehen, wenn in Gebärdensprache gesprochen wurde, weil man deutlich merkte, dass die Gebärdensprache in keinster Weise so beherrscht wurde wie Gehörlose es nun mal tun. Auch schafen es hörende Schauspieler einfach nicht, die Art wie Gehörlose schauen anzueignen. Diese Art ist ein Erkennungszeichen von uns Gehörlosen aneinander.

Der Grimmepreis ehrt seit 1964 Produktionen und Fernsehleistungen, die laut den Statuten des Grimme-Institut, die die spezifischen Möglichkeiten des Medieums Fernsehen auf hervoragende Weise nutzen und nach Inhalt und Methode Vorbild für die Fernsehpraxis sein können.

Letzten Herbst sendete Pro7 die Sendung "Applaus und Raus", die mit dem Hashtag #GastoderSpast" heftig beworben wurde.  Die Aussage hinter dem Hashtag spricht eine sehr deutliche Sprache: "Entweder bist du ein Gast und wenn nicht, dann bist du ein Spast." Da gibt es gar nichts zu beschönigen oder mit "Aber das ist doch schwarzer Humor, Mensch!" zu entschuldigen. Diese Abwertung von Menschen mit Behinderung auf so eine öffentliche Art ist das gleiche wie Trumps " "Grab them by the Pussy“ oder auch die öffentliche Nachäffung eines Journalisten mit Behinderung durch Trump im Wahlkampf.

Und so ein Mobbing-Verhalten ist einen Grimme-Preis wert? Die Aussage hinter dieser Auszeichnung des Formats "Applaus und Raus" ist: Deutsche Fernsehunterhaltung ist besonders wertvoll, wenn sie Menschen mit Behinderung diskriminiert und befeuert auf diese Weise Witze auf dem Rücken von Menschen mit Behinderung, wodurch die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung salonfähig gemacht wird. Und eine zweite Aussage ist auch dabei: Menschen mit Behinderung können und wollen wir nicht im Fernsehen sehen. Auch nicht als Gast/Gäste.

Nach der Kritik von Menschen mit Behinderung und Nichtbehinderung am Hashtag #GastderSpast wurde der geändert und was noch schlimmer war: Auch der Account hieß selbst bis zum (selbstgewollten) Shitstorm @GastoderSpast.



Es ist also ganz klar nicht der Fall, dass es "nur" der Hashtag war, sondern der Account hieß sogar eine ganz lange Weile so, bis er sich dann in @ApplausundRaus umbenannt hat.

Laut Pro7 und von Seiten des Moderators war die Kritik ja scheinheilig - wenn deren Sicht so war, dann hätte doch von deren Seite keine Notwendigkeit zur Änderung bestanden? Das sagt viel aus.

Kann mir jemand erklären, wo hier die Vorbildfunktion einer solchen Sendung sein soll, die Menschen mit Behinderung abwertet? Ich sehe sie nicht - auch nicht mit der Lupe und so wie mir ergeht es vielen anderen Menschen mit Behinderung die auch schon letzten Herbst darüber entsetzt waren und sich in Social Media und in Blogs bereits zu Wort geäußert haben, warum die Sendung behindertenfeindlich ist.

Ich möchte nicht, dass Behindertenfeindlichkeit und Ausgrenzung irgendwelcher Art salonfähig wird und man Preise dafür kriegt - das bringt nämlich nicht die Mobber dazu  mit ihrem Verhalten aufzuhören, sondern das spült erst recht richtig Wasser auf deren Mühlen: "Juchu, mit der Diskriminierung und Abwertung von Menschen mit Behinderungen kommt man weit."

Bei mir nicht. Ich halte jedenfalls mein Stoppschild dagegen hoch und werde mich jederzeit gegen Behindertenfeindlichkeit wehren. Und ich bin sehr froh darüber, dass ich nicht alleine damit bin, sondern viele andere Menschen kenne, die auch gegen Behindertenfeindlichkeit sind und mitkämpfen.

Noch ein freundlicher Hinweis: Ich habe nichts gegen gut gemacht Witze über Menschen mit Behinderungen - die besten Witze über uns kommen aber in der Regel von uns selbst.

Und wer das nicht verstanden hat, warum es so wichtig ist, dass auch Menschen mit Behinderung mit Respekt behandelt werden, versteht es wohl auch nicht, warum Thomas Hitzlsperger recht damit hat, dass man über Sexualität reden muss, bis es normal ist.

Übrigens: Nur 4 % der Menschen mit Behinderungen sind von Geburt an behindert, die übrigen 96% erwerben diese im Laufe des Lebens. Niemand gibt euch Nichtbehinderten die Garantie dafür, dass ihr nicht irgendwann eine Behinderung habt und somit auf der Seite der Menschen mit Behinderung steht - wollt ihr dann auch, dass man Witze auf eurem Rücken und Kosten macht, über die ihr selbst nicht lachen könnt?

Ich ziehe meinen Hut vor den zwei Jury-Mitgliedern Jürn Kruse und Dieter Anschlag, die sich vom Grimme-Preis für "Applaus und Raus" distanziert haben und die Kritik von Menschen mit Behinderungen und Nichtbehinderten an der Sendung teilen. Dieser Aufstand der Anständigen war bitter nötig. Danke für das Aufstehen und die nötige  Distanzierung.

Mehr kann ich nicht sagen, weil ich immer noch so entsetzt darüber bin, dass ein Jurymitglied Kruse vorgeworfen hat, er würde moralisch erpressen und überhaupt würde der Moderator von "Applaus und Raus" ja auch sein Päckchen an Behinderung mit sich herumtragen, weil er ja mal Depressionen hatte.

Mir fehlt einfach die Sprache darüber über den ganzen Ablauf und erst recht über die knallharte Aussage hinter dem Preis.

Es ist sehr, sehr, sehr, sehr traurig, wie sehr der Grimmepreis sich mit der Ehrung lächerlich gemacht hat - im Rückblick kommt einem die Nominierung für "Das Dschungelcamp" einem richtig harmlos und lieb gemeint vor.

Zum Schluss möchte ich noch eins klarstellen, weil ich es mir denken kann, dass mir wohl einige unterstellen werden, dass ich diese Zeilen nur  deswegen schreibe, weil der Tatort "Totenstille" nicht ausgezeichnet wurde: Nein - das ist nicht der Grund für diese Zeilen - ich wiederhole mich nochmal: Behindertenfeindlichheit ist nicht azeptabel.

Montag, 9. Januar 2017

"Mörderische Stille" und die Illusion der Hörenden über die Gehörlosen

Heute Abend kommt um 20:15 Uhr der Kriminalfilm "Mörderische Stille" auf ZDF - ursprünglich hieß der Film sogar "Lautloser Schrei".

Das ist meine Rezension des Films als Betroffene. Als Gehörlose und somit als Expertin in eigener Sache.

Den Film konnte ich übrigens vorab anschauen und konnte es übrigens kaum ertragen. Das liegt nicht an der Darstellung von Jan Josef Liefers, den ich als Schauspieler übrigens sehr liebe, weil er den Mimikjunkie in mir befriedigt mit seiner vielfältigen Spielweise und ich ihm gerne nicht nur im Tatort zuschaue - Liefers ist eindeutig mehr als nur den Boerne im Tatort. Die beste Darstellung, die er abgeliefert hat war bisher in meinen Augen im Film "Simon - Jede Familie hat ihr Geheimnis."

Es liegt daran, dass man die gehörlose Rolle im Film, die der Elena Kühnert mit Sylvie Testud besetzt hat. Sylvie Testud ist eine französische Schauspielerin und hörend. Bekannt wurde sie dem Publikum als hörende Tochter gehörloser Eltern im Film "Jenseits der Stille" von Caroline Link.

Elena Kühnert in "Mörderische Stille" aber ist gehörlos und wird von einer hörenden Schauspielerin gespielt. Diese Art der Besetzung ist Blackfacing. Was ist eigentlich Blackfacing? In Hollywood hat man in den frühen Anfängen weiße Schauspieler schwarz angemalt, wenn diese schwarz sein mussten für die Rollen.

Die Botschaft dahinter war stets: "Schwarze können keine Schauspieler sein." Und genau diese gleiche strukturelle Diskriminierung findet statt, wenn Nichtbehinderte Schauspieler Rollen mit Behinderung spielen. Sie nehmen so auf diese Weise den Schauspielern mit Behinderung die Rollen weg.

Eine Behinderung zu spielen ist nicht das gleiche, als würde man einen Alkoholkranken/Krebskranken/Mörder oder sonst was spielen. Man kann einen Alkoholkranken spielen, weil man sich hineinlesen kann in die Gedankenwelt und dieser Leute und das auch umsetzen kann, weil man beide Seiten der Perspektive so erfahren kann.

 Eine Behinderung zu haben ist nicht einfach nur eine Behinderung zu haben, sondern es ist das Leben damit. Und dieses Leben kann man nicht einfach mit ein bisschen "Ich setz mich mal für paar Tage in den Rollstuhl/lerne mal für paar Wochen Gebärdensprache" umsetzen. Dazu gehört soviel mehr.

Ich kenne keinen einzigen Nichtbehinderten Schauspieler, der es je geschafft hat, glaubwürdig und authentisch einen Menschen mit Behinderung zu darstellen, so dass man den Schauspieler hinter der Rolle völlig vergisst in der Art: "Oh, der ist das wirklich."

In der Gehörlosenszene ist niemand begeistert davon, dass eine hörende Schauspielerin eine gehörlose Rolle bekommen hat.

Störend an der Darstellung der Rolle von Elena Kühnert ist sovieles: Die Gebärdensprache ist absolut nicht flüssig, es sieht wahnsinnig abgehackt und steif aus. Und sie nimmt sich das heraus, den Kommisar, gespielt von Liefers, einfach so anfassen und küssen zu dürfen - die ist behindert, die darf übergriffig sein und beide haben ja eh das gleiche Schicksal: Sie hört nichts - er hat einen Tinnitus. Und es ist total unglaubwürdig, dass sie nicht gleich checkt, dass ihr Mann ins Wasser gefallen ist bei der Wende und von Holzer angestupst werden muss.  Gehörlose reagieren nämlich sehr schnell auf visuelle Veränderungen.

Diese Zeichnung, dass man als Mensch mit Behinderung so übergriffig sein darf, ist äußerst klischeebehaftet.

Was Sylvie Testud da spielt: Es ist die Illusion der hörenden Welt, wie man sich das so vorstellt mit der Gehörlosigkeit.  Es passt überhaupt nichts zusammen bei der Darstellung - die Körpersprache ist immer noch die einer Hörenden, der Ausdruck in den Augen ist immer noch hörend. Gehörlose GUCKEN ganz anders mit den Augen - das kann man nicht lernen.

Wir Gehörlosen erkennen uns an den Augen. Ich hab das schon sehr häufig erlebt, wenn ich z.B. im Zug sitze und mir unbekannte Leute sehe, die gerade nicht gebärden oder sprechen - aber durch den Augenkontakt erkennen wir aneinander und dann geht es los durch:"Du gehörlos? Woher bist du denn?" mit dem Austausch. Das kann man sich nicht vorstellen, aber es ist so.

Daran erkennen wir Gehörlose auch immer im Fernsehen, wenn hörende Schauspieler Gehörlose spielen, dass es hörende Schauspieler sind.

Elenas Mann Michael Kühnert, gespielt von Peter Lohmeyer, gebärdet auch sehr abgehackt und befolgt zudem die einfachsten Kommunikationsregeln im Umgang mit Gehörlosen nicht.

Zudem darf man einen Gehörlosen auch nicht ohne Gebärdensprachdolmetescher auch nicht verhören, weil dann ein mögliche Geständnis und somit die Aussagen wertlos werden können.

Ich hatte übrigens sehr gehofft, dass Fromm es schafft mit seiner Bildersprache die Schönheit der Gebärdensprache zu zeigen. Aber leider missachtet die Kameraführung auch sehr den und schneidet den Gebärdensprachraum ab, so dass die Hände nicht mit im Bild sind oder unterhalb im Bild, sodass die Gebärdensprache abgehackt und unrund erscheint auf dem Bild und somit auch grob unverständlich scheint. Außerdem gehört zur Gebärdensprache auch das Mundbild - es wurde aber kaum verwendet - zur Gebärdensprache gehört eben viel mehr als nur die Hände und die Mimik.

Für die Rolle der Elena Kühnert hätte mir und vielen anderen Gehörlosen die gehörlose französische Schauspielerin Emanuelle Laborit, die Mutter aus "Jenseits der Stille" viel beser gefallen. FunFact ist übrigens: Sylvie Testud, die die hörende Tochter gehörloser Eltern in "Jenseits der Stille" gespielt hat, ist im echten Leben ein Jahr älter als Emanuelle Laborit, die ja im Film ihre Mutter gespielt hat.

Die einzigen authentischen Gehörlosen, die man da im Film sieht, sind übrigens die gehörlosen Segler  am Heck des Bords. Und selbst da ist die Kameraführung äußerst gemein zu ihnen und der Gebärdensprache. Man sieht aber trotzdem sehr gut, wie hoch Qualität der gezeigten Gebärdensprache ist und wie flüssig sie abläuft, wenn man es eben auf Muttersprachniveau kann - da gegen fallen Lohmeyer, Testud und deren Tochter Brandmaier mit ihrer abgehackten Gebärdensprache doch extrem deutlich ab.

Beim Verhör selbst sah man eine Gebärdensprachdolmetscherin, die übrigens auch im echten Leben als Gebärdensprachdolmetescherin arbeitet. Auch dort konnte man im Vergleich zu Testud sehen, wie schlecht und laienhaft sie gebärdet.

Schade um die Chance, die das ZDF da verschenkt hat besetzungstechnisch.

Funfact: Es gab übrigens eine Fachberatung bei "Mörderische Stille" durch eine Gehörlose, die ich auch kenne. Man hat aber nicht auf sie gehört. Kein Wunder, dass dann so eine Vergewaltigung der Gebärdensprache bildtechnisch passiert und der weitere Rest auch auch sehr verquer ist.

Wenn nicht mal das Fernsehen den Mut hat zur inklusiven Besetzung, wie soll dann die Gesellschaft spielerisch durch das Fernsehen mitbekommen, was für ein Geschenk und Chance die Inklusion ist?

Ich habe übrigens schon mal auch sehr umfassender als gerade jetzt zur Blackfacing-Besetzung beim Film gebloggt:

Blogpost Schrecklich "behinderte" Schauspieler  von Februar 2015.

Was mich heute immer noch sehr stolz macht: Mein Tatort "Totenstille" mit dem Team aus Saarbrücken vom 24. Januar 2016 hatte eine Einschaltquote von 9,69 Millionen Zuschauern und landete damit unter den Top Ten der quotenstärksten Tatorte im Jahr 2016. Alle gehörlosen Rollen im Tatort wurden auch von gehörlosen Schauspielern gespielt - damit wurde der Beweis erbracht: Authentische und inklusive Besetzung ist erfolgreich.

Weitere Beispiele? "Jenseits der Stille" wurde ja auch schon genannt - dort wurden ja alle gehörlosen Rollen ebenfalls von gehörlosen Schauspielern gespielt. Oder "Switched at Birth." - dort sind ebenfalls alle gehörlosen Rollen mit gehörlosen Schauspielern besetzt. Achja, "Gottes vergessene Kinder" mit der gehörlosen Schauspielerin Marlee Matlin.

Und übrigens: Der Film "Der mit dem Wolf tanzt" kam auch deswegen so gut an, weil die Ureinwohner Amerikas dort sich selbst alle gespielt haben. Anders bei "Winnetou" - dort hat man kroatische/albanische Schauspieler die Ureinwohner spielen lassen. Meiner Meinung nach ist das auch einer von vielen  Gründen, warum das Remake so sagenhaft floppte.

Ich kenne übrigens alle Argumente gegen inklusive Besetzung zur Genüge und sie zählen alle für mich nicht, weil ich eben den Beweis mit meinem Tatort angetreten habe, dass es auch inklusiv geht.

Man muss nur wollen.

Und solange die Filmindustrie so mut- und saftlos ist bei bei der Besetzung ist, darf sie sich nicht wundern bei so einer geharnischten Kritik von Betroffenen, wenn es um die Besetzung und Menschen mit Behinderungen im Film geht.

Wir haben 2017, Leute.

Im übrigen habe ich gerade eine sehr spannende Wetter mit jemandem aus dem Filmgeschäft laufen. Mal sehen, wer diese gewinnt.

Sonntag, 19. Juni 2016

Fahrrad fahren als Gehörlose

Das ist auch eine der häufigen Fragen, die mir begegnen im Leben als Gehörlose - fast so häufig wie im Blogpost zu "Kannst/Darfst du Autofahren?"

Im Mai hatte ich ein Beschnupperungsgespräch mit der Vermieterin einer Wohnung in Hamburg, die ich mir ausgeguckt habe. Zum Gespräch bin ich natürlich alleine gekommen, denn erstens hätte ich es als sinnlos empfunden mit einer/m Gebärdensprachdolmetscher*in  zu kommen, weil man eh den Dolmetscher nicht immer bei sich hat. Und außerdem ist es wichtiger zu sehen, ob man eine grundsätzliche Kommunikationsgrundlage hat.

Die hatten wir, wir hatten ein richtig schönes und nettes Gespräch. Am Ende des Gesprächs fragte mich Frau B., ob ich denn Fahrradfahren kann. Ich war etwas verdutzt, weil ich die Frage schon lange nicht mehr gehört habe und gab zurück: "Ja, wieso?" "Ich stelle mir das etwas schwierig vor, wenn man nicht hören kann und auf den Verkehr achtgeben muss.." Ich meinte darufhin, dass ich sehr viel fahrradfahre und noch nie einen Unfall gehabt habe im Straßenverkehr.

Die einzigen 4 Unfälle, die ich mit dem Fahrrad hatte, waren auf dem Feldweg und am Bahnhof sowie als Kind. Ich bin da meiner Mutter hinterhergerast - sie fuhr voraus. Ich strampelte ihr hinterher über eine Straße, als da plötzlich ein Auto kam und mein Vorderrad knutschte mit dem Reifen des Autos herum, wobei es meinen Brustkorb ewas auf den Radlenker knallte.

Der Autofahrer war viel erschrockener als ich. Ich habe nur ganz cool gemeint: "Nix passiert." und bin weitergeradelt. Das war es an Unfällen, die ich mit dem Fahrrad im Straßenverkehr hatte.

Aber jetzt in Hamburg kapiere ich langsam, was Frau B. gemeint hat: Die Fahrradfahrer hier sind etwas rücksichtslos und noch nie war mein Rückspiegel an einer Lenkerseite mir hilfreicher als hier. Demnächst werde ich mir auf der anderen Lenkerseite auch noch einen Spiegel einbauen.

Ich höre ja nichts, also bringt es überhaupt nichts, mich anzuklingeln, wenn man an mir vorbeifahren möchte. Und oft wird man rücksichtslos überholt, wenn ich nicht zufällig die Person im Rückspiegel erheischt habe. An diesem Punkt habe ich mal überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre einen Aufkleber mit dem Hinweis, das man nichts hört, am Fahrrad anzubringen. Aber will ich mich selbst "stigmatisieren"? Vertrackte Sache, das.

Also, liebe Radfahrer und Fußgänger: Wenn ihr mal eine Person auf dem Fahrrad oder zu Fuß vor euch stehen habt und diese nicht auf Herumgeklingele oder Zurufe reagiert, dann habt ihr es sehr wahrscheinlich nicht mit einer ignoranten Person zu tun, sondern mit einer gehörlosen Person. Der Blickwinkel von uns Augenmenschen nach hinten ist weiter als bei hörenden Menschen - wir erkennen euch schon oft früh genug, wenn ihr hinter uns steht und vorbeiwollt. Aber das ist eben nicht immer der Fall - wie bei vielen hörenden Menschen auch, die im Weg herumstehen.

Das Radfahren im Hamburg macht mir aber trotzdem Spaß, denn man kann dabei sehr viel entdecken - Hamburgs Schönheiten zum Beispiel. Oder man entdeckt ein paar Unebenheiten im Boden und denkt sich:"Stolperfalle für alte Leute."

Wie gesagt: Es gibt viel zu entdecken in Hamburg. :-)

P.S. Der Mythos, dass viele Gehörlose nicht Radfahren können, stammt aus "Jenseits der Stille." Laras Mutter dort kann nicht Fahrrad fahren, aber das sind seltene Einzelfälle. Deshalb war es mir auch so wichtig, im Tatort "Totenstille" zu zeigen, dass Gehörlose sehr wohl ohne Probleme Radfahren können.

Freitag, 17. Juni 2016

Staubsauger kaufen als Gehörlose

Die geneigten Leser werden es auf Twitter mitbekommen haben: Ich bin nach Hamburg aus beruflichen Gründen gezogen und versuche mich nun mit dem nordischen Lebensstil anzufreunden, soweit das mit meinem südländischen Temperament vereinbar ist, welcher äußerst sonnenhungrig ist.

Eins habe ich jedenfalls schon mal geschafft: Innerhalb von 4 Wochen eine absolut passende Wohnung in Hamburg zu finden, womit ich laut den Angaben der Einheimischen verdammt viel Glück gehabt habe, was nur von einem Lottogewinn übertroffen werden kann.

Nun musste ich gestern einen Staubsauger kaufen und ich hatte schon von Anfang an geplant, wenn der Verkäufer sagt: "Aber dieser Staubsauger ist sehr laut." zu lächeln und zu sagen: "Der ist laut? Das macht nichts - ich nehm ihn!" (siehe Tweet hier: https://twitter.com/EinAugenschmaus/status/743458553600565253)

Und so ist es tatsächlich gekommen. Ich so in der Staubsaugerabteilung auf einen dramatisch reduzierten Staubsauger zeigend:"Und der hier? Der ist auch ohne Beutel." Verkäufer machte ein entschuldigendes Gesicht:"Der ist laut!" "Der ist laut? Das macht nix - ich nehm ihn!"

Und so ist es gekommen. Die Spontantaufe beim Einzug ergab, dass er Jogi heißt und bei mir darf er so laut röhren wie er will. :-)

Eins der vielen Vorteile, wenn man gehörlos ist.

Der Staubsauger ist übrigens ein AEG Aptica ATT7920BP und war nur deshalb so dramatisch reduziert, weil das Zubehör wie Aufsatz und anderweitige Bürsten nicht mit dabei waren. Aber das ist kein Weltuntergang. Ich bin nur mal gespannt, wie ich mit dem Entleeren des Behälteres klarkomme, weil ich doch eine Grobmotorikerin bin, wenn es um solche profane Dinge geht.


Samstag, 30. April 2016

Warum Gebärdensprache-Handschuhe nutzlos sind!

Auch so ein Thema, was alle paar JAHRE immer mal wieder durch Social Media geistert und unwissende Hörende jubeln lässt: "Damit sind Gehörlose endlich nicht mehr isoliert und Menschen ohne Gebärdensprachkenntnisse können damit mit Gehörlosen kommunizieren."

Es scheint ein Sport unter verschiedenen Universitäten zu sein, alle paar Jahre mit so einer "NEUEN" Entwicklung, einem Handschuh, der Gebärdensprache übersetzt, um die Ecke zu kommen, die alle an einem kapitalen Denkfehler scheitern, was daran liegt, dass die Entwickler sich null Wissen über die Gebärdensprache aneignen, sondern nur denken: "Hört sich saugut an und wir werden alle gefeiert dafür!"

2015 entwickelte ein Team an der polytechnischen Universität in Mexico City einen solchen Handschuh.  2015 entwickelte die Hochschule in Magdeburg-Stendal ebenfalls so einen Handschuh. "Wereable" heißt er.  Im gleichen Jahr auch von einer saudi-arabische Entwicklerin. 2014 wurde so ein Handschuh von der Cornell University, USA entwickelt. 2012 von einem ukrainischen Team.

Wie gesagt: Diese Erfindungen sind alle nichts Neues. Null. Lustig ist ja, dass die Medien, die über solche Erfindungen berichten, gleich alle immer jubeln: "ABSOLUTE NEUHEIT!" und es als Durchbruch für die Inklusion zwischen Hörenden und Hörenden ansehen.

Und sie scheitern alle an einem Denkfehler: Es wird davon ausgegangen, dass so ein Handschuh Gebärdensprache so gut übersetzen kann wie ein Dolmetscher. Das ist nicht der Fall. Gebärdensprache ist mehr als nur Gebärden. Die Sprache ist 3-Dimensional, sie besteht aus Gebärden, Körpersprache und Mimik. Von der Mimik hängt es übrigens häufig ab, ob aus einem Satz in Gebärdensprache eine Frage oder eine Antwort wird. Das alles wird dieser Handschuh nicht übersetzen können und er kann auch den Kontext nicht mitbedenken und übersetzen.

Außerdem hat die Gebärdensprache eine eigene Grammatik und Syntax, woran auch deutlich wird, dass man sie nicht mit der Lautsprache vergleichen kann.

Und die Übersetzung findet nur in eine Richtung statt. Beispiel: Gehörlose Person geht in ein Geschäft, wo der Handschuh eingesetzt wird. Er fragt etwas mit dem Handschuh in Gebärdensprache - die Übersetzung von der Gebärdensprache in die Lautsprache erfolgt mit dem Handschuh. Der hörende Verkäufer weiss jetzt zwar, was die gehörlose Person möchte, aber es erfolgt keine Rückübersetzung von Lautsprache in die Gebärdensprache.
Da endet die Kommunikation, die nie eine Kommunikation war, weil sie nicht funktioniert, weil sie nicht in zwei Richtungen funktioniert.

Und da sind wir nun wieder am ursprünglichen Problem: Wie verbessert man die Kommunikation zwischen Gehörlosen und Hörenden so, dass sie funktioniert?

Meiner Meinung nach geht das echt nur über Gebärdensprachdolmetscher, die man zur Verfügung stellt vor Ort oder die per Video zugeschaltet werden, was heute machbar ist bei den vielen Tablets und Smartphones. Ich würde nie diese Handschuhe mit mir herumschleppen wollen, warum zusätzliches Gepäck dabei haben? Dolmetscher-To-Go, egal ob vor Ort oder online, sind viel praktischer und sicherer, weil ich die bestmöglichste Garantie habe, dass der Dolmetscher auch wirklich akkurat übersetzt und das ist für uns Gehörlose extrem wichtig, weil wir so oft an Missverständnisse geraten und uns über einen Dolmetscher davor schützen können.

Anhand dieser Fakten, die man nur kennen kann, wenn man grundlegendes Expertenwissen über Gebärdensprache verfügt, ist es völlig klar: Diese Handschuhe werden nie die Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen entscheidend verbessern, weil die Rückübersetzung nicht verfügbar ist bis jetzt. Und das werden diese Handschuhe auch nicht leisten können, weil sie eben das komplette Spektrum der Gebärdensprache NICHT abdecken können und so fehleranfälliger sind als jeder Software die z.b. Lautsprache in Text übersetzt.

Also, liebe Medien: Hört bitte auf, diese Handschuhe als bahnbrechendes Wundermittel zur Kommunikation zwischen Gehörlosen und Hörenden zu bezeichnen, denn das stimmt nicht. Und rechechiert doch mal ordentlicher nach bei dem Thema und/oder befragt gehörlose Experten. Und die werden alle das gleiche sagen: "Im Endeffekt nutzlos."

Danke.
Einen sehr guten Artikel über diese Gebärdensprach-Handschuhe hat ebenfalls Katie geschrieben, er ist auf Englisch - ich empfehle ihn ausdrücklich weiter: http://katies.online/katiesblog/index.php/2016/04/27/yes-ive-seen-the-signing-gloves/

Mittwoch, 27. April 2016

Eurovision Song Contest ohne Gebärdensprache?

ist immer wieder ein Augenschmaus, was auch Hörende immer wieder feststellen können, wenn sie im Fernsehen mal die Nachrichten auf Phoenix verfolgen oder zufällig irgendwo, was aber ganz selten vorkommt, Gebärdensprache erhaschen können.

Letztes Jahr trug der ORF den Eurovision Song Contest aus und hat sichergestellt, dass die Übertragung barrierefrei sein wird - man engagierte ein Team von tauben Gebärdensprachdolmetschern und liess sie die Lieder einstudieren in Internationaler Gebärdensprache - das ganze nannte man dann "EuroVision Sign"!

Und es war ein grandioser Erfolg, die Zahlen geben dem ORF recht: "Via ORF 2 Europe erreichte das Song-Contest-Finale parallel zu ORF eins in Internationaler Gebärdensprache im Schnitt 57.000 Österreicherinnen und Österreicher bei zwei Prozent Marktanteil, die Reichweitenspitze lag bei 166.000 Zuschauern." Quelle: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150524_OTS0013/grandiose-show-grandiose-quoten-19-millionen-sahen-esc-finale-im-orf

In Deutschland konnte man die tauben Gebärdensprachdolmetscher auf dem damaligen Spartensender EinsPlus sehen, den es heute leider nicht mehr gibt und sie kamen ebenfalls sehr gut an beim Publikum - ich möchte hier einen kleinen Auschnitt der Tweets dazu zeigen:






Soviele positive Resonanz und das ist wirklich nur ein kleiner Ausschnitt! Auf Twitter habe ich übrigens EinsPlus mit EinsFestival verwechselt - bei den vielen Spartensender der öffentlich-rechtlichen kann man ja wirklich mal kurz den Überblick verlieren. ;-)

Und jetzt kommt es: Dieses Jahr werden die tauben Gebärdensprachdolmetscher nicht im TV zu sehen sein, sondern nur online auf www.eurovision.de. :-(

In der PM steht nämlich folgendes:
"Auch die beiden Halbfinale des Eurovision Song Contest werden barrierefrei angeboten. Für die Übertragung der Halbfinale am Dienstag, 10. Mai, und Donnerstag, 12. Mai, jeweils um 21 Uhr auf Einsfestival, erstellt der NDR für Menschen mit Hör- oder Sehbehinderung Untertitel und eine Hörfassung. Auf eurovision.de sind die Halbfinale online zudem in der internationalen Gebärdensprache (ISL) zu sehen. Dieses Angebot übernimmt eurovision.de vom schwedischen Sender SVT, der die größte Musikshow der Welt in diesem Jahr ausrichtet.
Auch für die Sendungen im Ersten vor und nach dem Finale mit Barbara Schöneberger - "Eurovision Song Contest 2016 - Countdown für Stockholm" um 20.15 Uhr sowie "Eurovision Song Contest 2016 - Grand Prix Party" um 0.15 Uhr - bietet der NDR ein barrierefreies Angebot mit Untertiteln und Audiodeskription. Das ESC-Finale wird vom NDR zudem in die Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt. Diese Fassung ist hier auf eurovision.de zu sehen. Dabei werden auch die Songtexte und der Kommentar von Peter Urban von den Gebärdendolmetschern präsentiert." Quelle: http://www.eurovision.de/news/Alle-ESC-Shows-barrierefrei-sehen-und-hoeren,barrierefrei176.html

Ich finde es schade, dass man sich hier bei ARD eine große Chance entgehen lässt mit dem Verzicht auf die Einblendung der tauben Gebärdensprachdolmetscher direkt im TV.

Technisch sehe ich keine Schwierigkeiten bei der Umsetzung, denn man könnte ganz locker bei EinsFestival, was ja schon für die Übertragungen für das Halbfinale beim ESC eingeplant ist, die tauben Gebärdensprachdolmetscher einblenden lassen und zusätzlich auch mit Untertitel ausstrahlen, denn die Untertitel werden auf EinsFestival und ARD eh auf den gleichen Videotexttafeln gesendet. Irgendwelche technische Ausreden gelten hier also nicht :-)
Außerdem ist im Team der tauben Gebärdensprachdolmetscher aus aller Welt auch ein tauber Gebärdensprachdolmetscher aus Deutschland dabei: Rafael Evitan Grombelka!

So schade, wenn das das Erste die Einblendung der tauben Gebärdenspracdolmetscher nicht möglich macht, denn die sind soviel besser als hörende Gebärdensprachdolmetescher bei der Verdolmetschung von Musik, weil sie so ungeheuer visuell arbeiten und Gebärdensprache ja von kleinauf ja schon die Muttersprache ist bei den meisten.

Letztes Jahr hatten wir alle soviel Spaß mit den tauben Gebärdensprachdolmetschern auf EinsPlus, egal ob hörend, gehörlos oder schwerhörig. Es war einfach ein Heidenspaß! Und ich hoffe, dass ich mit dem Blogbeitrag erreichen kann, dass das Erste umdenkt und auf EinsFestival die tauben Gebärdensprachdolmetscher und Untertitel zeigt! :-)

Dienstag, 19. April 2016

Heute vor 5 Jahren war mein erster Auftritt auf der Re:publica!

Sie steht mal wieder vor der Türe, die re:publica, das legendäre Klassentreffen der digitalen Natives.

Irgendwann im März 2011 packte mich die Neugier ob der vielen Tweets zur re:publica 2011 in meiner Timeline und ich schrieb das Orgateam an, ob ich möglicherweise eine Freikarte bekommen kann aufgrund der Tatsache, dass das Event ja leider nicht barrierefrei ist, was meine Neugier aber nicht daran hindern würde die re:publica erleben zu wollen.

Hier der Videolink zu meinem Auftritt ab der 12. Minute:

Daraufhin passierte etwas sehr schön verrücktes: Man schrieb mir zurück, dass man mich eh noch einladen wollte als Speakerin. Dieser Satz liess mich so richtig vom Hocker plumpsen und ich sagte zum meinem Chatpartner im Chat: "Hör mal, weißt du, was gerade passiert ist? Die von der re:publica haben mich gerade als Speakerin eingeladen. Dabei wollte ich nur eine Freikarte haben zum Erleben." Er ganz westfälisch trocken:"Deswegen gerade dieser Krach." :-D

Und dann sass ich halt da im Friedrichstadtspalast und habe davon berichtet, wie wenig barrierefrei das deutsche Fernsehen. Und im übrigen: So cool, wie ich damals ausgesehen habe, war ich echt nicht, ehrlich nicht. Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe, da zu sitzen und mein Anliegen so verständlich auf den Punkt zu bringen - man hat mich wirklich ins kalte Wasser geschmissen. Aber dank Philip Banse's Fragen war ich ganz fokussiert darauf einfach nur mit ihm zu reden und meine Umwelt komplett auszublenden. :)

Heute 5 Jahre gibt es eine Verbesserung in Sachen Barrierefreiheit im Fernsehen: 5 Jahre später ist es viel besser geworden. Auf die einzelnen Programme der öffentlich-rechtlichen Sender haben wir ungefähr 90% Untertitel, wobei es aber sehr schwankt - bei manchen ist es deutlich weniger. Vor allem die Spartensender haben da noch großen Nachholbedarf. Aber im Vergleich zu dem Stand von vor 5 Jahren ist den Sendern schon der ganz große Wurf gelungen, das muss ich auch zugeben. :-) Die Qualität der Untertitel schwankt leider immer noch sehr und mich nervt es immer noch, wenn die Untertitel verkürzt und vereinfacht sind, was ich ganz leicht daran erkennen kann, dass der gesprochene  Dialog nicht mit dem Untertitel übereinstimmt. Dabei gehen viele wichtige Informationen verloren und auch sehr oft der Wortwitz. Lückenfrei barrierefrei mit Untertitel sind die öffentlich-rechtlichen heute also immer noch nicht.

Bei den Privaten gab es auch einen Sprung nach vorne, aber ich weiß nicht, ob man das als Verbesserung bezeichnen kann, wenn "Dschungelcamp", "Let's Dance" "Topmodel" mit Untertitel kommt. ;-) Aber gut, auch Gehörlose haben das Recht auf Wahlfreiheit, womit sie ihre Gehirnzellen absterben lassen wollen.

Aber besonders RTL hat mich da sehr positiv überrascht bei den Fußballspielen: Die Untertitel dort waren ausgezeichnet und so richtig toll voll von Fußballerlatein - da hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich genau die gleichen Infos bekomme wie hörende Zuschauer.

Aber das Problem, welches wir Gehörlose heute immer noch haben, ist: Wir stossen bei der Teilnahme an der Gesellschaft permanent auf Barrieren - wir können nicht einfach auf eine Veranstaltung gehen ohne nachzufragen, ob es Gebärdensprachdolmetscher/Schriftdolmetscher gibt. Einen Kurs an der Volkshochschule zu besuchen, weil man sich weiterbilden will, ist nicht - den Gebärdensprachdolmetscher muss man sich aus eigener Tasche zahlen. Ich könnte die vielen Hindernisse noch weiter aufzählen, aber das würde diesen Blogeintrag doch etwas sprengen. ;-)

Jedenfalls ist es ganz klar, dass ich weiterhin dafür kämpfen werde, dass die Teilhabe an der Gesellschaft barrierefrei wird. :-)

Und die re:publica ist immerhin seit 2013 mit einem Schriftdolmetscher auf Stage 1 barrierefrei geworden - die anderen Stages leider noch nicht. Aber vielleicht wird ja dieses Jahr der Besuch der re:publica barrierefreier, was ich sehr hoffe.

Man sieht sich. :-) In diesem Internet oder gar auf der re:publica!